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Zitat des Tages

04.02.2010

Gesine Lötzsch in einem Interview als Antwort auf die Frage, ob die SPD auf sie zukommt:

In der Bundestagsfraktion hat man tatsächlich das Gefühl, das zwei bis drei SPD-Abgeordnete auf einen Linkspartei-Abgeordneten angesetzt wurden, um ihn oder sie einmal am Tag zu umarmen.

Anfragen, ob Lötzsch das zweite "das" mit einem oder mit zwei s gesprochen hat, bitte ich an die Redaktion der RP zu stellen.

 

 

Weihnachtsperversitäten sind wohl überwiegend dem Konsumrummel zu verdanken. Ein besonderes Exemplar ist mir beim Surfen nach einer Weihnachtskarte über den Weg gelaufen:  Hunde bellen Weihnachtslieder mit kostenlosem Trailer.
Wer sich lieber mit einem Lied begnügt, kann ja Lasst uns froh und munter sein mitbellen.
Neu sind solche Superideen wohl nicht, sondern vermutlich mal wieder vom amerikanischen Markt abgekupfert, der uns Weihnachtslieder nicht nur von Hunden sondern auch von Katzen anbietet. Wer Probleme mit festem Ohrenschmalz hat, kann sich ja mal Silent Night reinmiauen. Das bringt selbst das härteste Schmalz zum Laufen.

 

 

Und weil's so schön ist, gibt's noch einen gemischten Hunde-Katzen-Chor mit Jingle-Bells.

 

 

 

 

Bonmots 4

25.12.2009

Die Flammen der Ignoranz brennen ohne Schmerzen.

Prior der Ori in Ark of Truth

 

Letzte Woche hatte die Landeszentrale für politische Bildung in NRW zum Thema 20 Jahre Mauerfall in das Maxhaus in Düsseldorf eingeladen. Vera Lengsfeld war zu Vortrag, Dialog mit der Staatssekretärin Marion Gierden-Jülich und Diskussion mit dem Publikum eingeladen.
Schon die Einführung Gierden-Jülichs ließ vermuten, dass diese Bildungsveranstaltung etwas mehr sein würde als die Thematisierung der Rolle der Opposition und der SED in der DDR und des Alltags der Menschen. In der Biografie, mit der sie Lengsfeld vorstellte, wurde explizit Gregor Gysi als dubioser Vermittler bei der Ausweisung von Lengsfeld 1988 genannt. In Lengsfelds Vortrag floss in der Folge ein deutliches Gysi- und SED- bzw. Die-Linke-Bashing ein. Sie hob u.a. auf Gysis Rolle in der DDR als "Vermittler" im Staatsauftrag zwischen Bürgerrechtlern und DDR, beim verschwundenen SED-Vermögen nach der Wende und sein Auftreten in der Volkskammer ab. Lengsfeld betonte, dass sie die Einzige sei, die Gysi nicht wegen des Vorwurfs, er sei IM Notar gewesen, mit Klagen überzogen hätte. Die Linke selber bezeichnete sie als umbenannte SED.
Schließlich mündete die "Diskussion" in eine Warnung vor einer Legendenbildung um die DDR und einem unterschätzten Linksradikalismus, garniert mit Beispielen von Gewaltexzessen Linksradikaler. Höhepunkt des Abends war für mich die Frage eines Rechtsanwalts aus dem Publikum, der meinte, die Rheinbahn hätte in ihren Bahnen 4-, 5-, 6-fach gegen Rechts plakatiert, ob Lengsfeld nicht auch fände, dass gegen Linksradikalismus plakatiert werden müsste. Das war dann selbst Lengsfeld zu viel, die, ohne konkret darauf zu antworten, auf ihre entschiedene Haltung gegen jeglichen Totalitarismus verwies.
Der Erlebnisaspekt kam auch nicht zu kurz. Jülich-Gierden, Lengsfeld und Moderator Tom Hegermann schilderten, wie sie den Mauerfall erlebt hatten.
Insgesamt war es eine interessante Veranstaltung mit Zeitzeugen, auch aus dem Publikum, etwas getrübt durch den Geruch der Instrumentalisierung.

 

 

Wahlsplitter III

27.09.2009

Geschafft, die CDU und die FDP, weil sie eine gemeinsame Regierung anpeilen können, die SPD, weil sie das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren haben.
Interessant waren die Umfragen der ARD, in denen u.a. die Glaubwürdigkeit der Parteien überprüft wurde. Gefragt wurde danach, wie sich die Parteien nach der Wahl hinsichtlich ihrer Wahlaussagen nach der Wahl verhalten würden. Keine Partei wurde als glaubwürdig beurteilt. Den "besten" Faktor hatten die Grünen mit 51% Ungläubigkeitsfaktor, danach wurde die FDP am "glaubwürdigsten" beurteilt. Mit 66% erreichte die Linke sogar noch ein besseres Ergebnis als CDU und SPD mit 68% vor dem Schlusslicht CSU,die von 70% der Gefragten als unglaubwürdig bezeichnet wurde.
Bei so einem Ergebnis stellt sich zwangsläufig die Frage, nach welchen Kriterien eigentlich gewählt wird. Was bewegt die Wähler jemanden zu wählen, dem sie überwiegend nicht glauben?

Wahlsplitter II

26.09.2009

Wahlwerbung funktioniert nach wie vor zum großen Teil wie Waschmittelwerbung, in der es lediglich darum geht, wer weißer wäscht sozusagen Klementine alias Angela Merkel gegen Meister Propper alias Steinbrück. Entsprechend sind auf den Plakaten neben den Konterfeis der Protaganisten wenig aussagekräftige Wahlslogans  zu sehen wie "Unser Land kann mehr" und "Wir haben die Kraft" - Untertitel: "Gemeinsam für unser Land". Ebenso wie die FDP mit ihrem Slogan "Deutschland kann es besser" nehmen CDU und SPD hier offensichtlich bei Obamas "Yes we can" Anleihen. Ob so das Obama zugesprochene Charisma  dabei auf Merkel und Steinmeier abfärbt, darf nach dem "Yes, we gähn"-Schlagabtausch bezweifelt werden. Noch eher als bei Obama ist beim german change hinter der Fassade ein 404er error zu erwarten. Hinzu kommt noch, dass die o.g. Slogans nahtlos an die von der Bertelsmann-AG initiierten "Du bist Deutschland"-Kampagne anschließt, mit der Nationalgefühl und eine modernisierte Form der Volksgemeinschaft angesprochen werden. 

Ansonsten geht's recht bunt zu. "Schwarz-Gelb nein danke - Aus der Krise hilft nur Grün", "Starke SPD statt schwarz-gelbem Kahlschlag", zwei Slogans von Parteien, die unter der Leitung des Architekten der Agenda 2010 Steinmeier selbst sozialen Kahlschlag als Notwendigkeit verkauft haben. Die Linke greift weniger auf die politische Farbenlehre zurück, sie fordert auf Plakaten die Rücknahme der aus ihrer Sicht getroffenen Fehlentscheidungen der Großen Koalition, geht also stärker thematisch vor.

Morgen geht's dann mit der Wahl selbst und der Liveshow der Ritter der Schwafelrunde weiter. Schaun wir mal, ob jemandem die Hand in die Wahlurne gefallen ist, weil er aus Mitleid SPD gewählt hat, wie in der Rubrik verboten der taz gewünscht wurde oder ob eine schwarz-gelbe Koalition den Karren so in den Dreck fahren darf und in der Folge Rot-Rot-Grün eine Chance hat, wie ein Linker in einem gedanklichen  Glasperlenspiel wünscht. Last not least dürfen wir gespannt sein, wer das Wahlergebnis zuerst bekannt gibt, der  Bundeswahlleiter oder Twitter.

Wahlsplitter I

16.09.2009

Yes, we gähn! mit Merkel und Steinmeier hat ein Ende, sollte man meinen. Der deutsche Blätterwald hat sich heute on- und offline auf Steinbrück, den deutschen Krisenlenker gestürzt.

Er ist wieder da, der aus dem Blick Geratene, und bestätigt in einem zur Wahl von der Bertelsmann Tochter Gruner+Jahr initiierten "Baumwallgespräch", was viele geahnt, kommen sehen, ausgeprochen und/oder befürchtet haben: Deutschland steuert erneut auf die Große Koalition zu. Wieso sich das derart in Schlagzeilen niederschlägt, ist mir ein Rätsel. Schließlich hat Steinbrück sich in dieser Richtung bereits vor einem Jahr geoutet. Vielleicht ist es die fehlende inhaltliche Auseinandersetzung der "Volksparteien", die dazu führt, dass sich die Gazetten an den Spekulationen über mögliche Koalitionen beteiligen anstatt Diskussionen über Wahlkampfthemen zu begleiten. Schließlich sind sie nur Berichterstatter. So ist das, wenn die eine Partei die Agenda 2010 in Gang gesetzt hat und die andere sie mit vollendet, die eine Partei Deutschland am Hindukusch verteidigt, die andere folgend die Bündnistreue hochhält. Wie schön Politiker da wissentlich miteinander "spielen", lässt sich auch Steinbrücks Worten entnehmen, der der Kanzlerin ein "ungeheures Gespür sich auf Themen zu setzen, die teilweise von der SPD entwickelt worden sind und die für sich zu instrumentalisieren ..." bescheinigt, vom Interviewer "anhaltende programmatische Enteignung" genannt. Wenn er der Meinung ist, wieso wird die fehlende "Blaupause" der Kanzlerin nicht thematisiert.
Steinbrücks Ziel ist Schwarz-Gelb zu verhindern und die Angst vor SPD der Opposition.
Aber das muss ich nicht alles verstehen, schon mal gar nicht, wieso er sich dem Wahlvolk und der CDU als Juniorpartner andient, sozusagen als bessere FDP oder wie?

Wie man die Leistungen der SPD noch sehen kann, wird recht "ansprechend" in folgendem Video angeboten, das zur Zeit die Runde macht.

Die Hauptschule ist nicht mehr zu retten lese ich auf der Titelseite der WZ. Ist das wahr oder nur die Schlagzeile eines Sommerlochs?
Schließlich hat die Landesregierung in NRW gebetsmühlenartig flankiert von den Befürwortern aus Realschule und Gymnasium ihr Credo zum Bestand der Hauptschule und des dreigliedrigen Schulsystems abgelassen und letztens eine Qualitätsoffensive gestartet. Soll jetzt also tatsächlich ein zweigliedriges Schulsystem, in dem die Hauptschule in einer Verbundschule aufgeht, kommen? Folgt eine solche Entscheidung etwa auch noch pädagogischen Überlegungen?
Nein, natürlich nicht. Hier geht's einfach nur um praktische bzw. finanzielle Überlegungen. Zu kleine Schulsysteme kosten zu viel. Also werden verschiedene Schulformen in "Verbund"schulen zusammengefasst, was im Übrigen nicht mal neu ist und schon länger auf Grundlage des Schulgesetzes möglich ist. Daraus geht auch klar hervor, dass die Dreigliedrigkeit innerhalb der Verbundschulen bestehen bleibt. Sowas hatten wir auch schon einmal als additive Gesamtschule, d.h. verschiedene Schulformen unter einem Dach. Frau Sommer hat dann auch schnell die entsprechenden Meldungen in den Bereich der Spekulation verwiesen.

Fazit: Eine Innovation des Schulsystems ist nicht in Sicht.

Der morgendliche Blick in die TAZ beschert mir einen Freudschen Verleser:

"Im Kraftwerksreaktor Krümmel muss der Pannenleiter seinen Posten räumen."

Der zweite Blick offenbart mir dann den eigentlichen Satz:

"Im Pannenreaktor Krümmel muss der Kraftwerksleiter seinen Posten räumen, weil der Einbau einer hochmodernen Sicherheitsanlage schlicht vergessen wurde."

Tz, tz, wieder mal ein Reinfall für Pofallas Ökostrom. Passend dazu hält Öttinger weiter am Kraftwerk der Zukunft fest.
Und eine hochmoderne Sicherheitsanlage einfach vergessen??? Ist das sowas wie die Tür zum Tresorraum einer Bank? Der wäre das nicht passiert oder ?

Jeruville

28.06.2009

Wer sich fragt, wo Jeruville liegt, findet, was die Realität angeht, heute keine Antwort mehr  und muss sich mit der virtuellen des Internets begnügen. Zu Nicht-Spielzeiten in einem Kreis angeordnete seelenlose Container bildeten bei den Vorstellungen durch das Öffnen der Türen eine geschlossene Stadt, die Schauplatz für fast alles war, was Jugendliche heute bewegt, eine Stadt auf dem Vorplatz des Düsseldorfer Schauspielhauses.
Jeruville leitet sich aus Silben von Jerusalem und Dogville ab, einem Lars-von-Trier-Film, und verweist so stellvertretend auf die Härten des Lebens, die sich durch das Aufeinandertreffen verschiedener Religionen und Kulturen ergeben. Jeruville bildet das auch in der Zusammensetzung seiner Bewohner ab.
Der Zuschauer bzw. Besucher der Stadt begegnete im Chillosphen, seinem Adjutanten, dem Chillmaster, dem Geldbaumforscher, dem "Ich spür nix!"-Mädchen, den Zombies, dem "Es ist verboten"-Mädchen u.v.a. den verkörperten Themen, die sich die über 30 Kinder und Jugendlichen in einem halben Jahr unter der Regie von Petra Lammers erarbeitet hatten. Entweder bewegten sie sich in der Stadt zwischen den Besuchern oder präsentierten ihr Thema in und auf den Containern mit entsprechenden Namen wie Chillraum, Traumraum, Kriegsraum, Vor-Spiel- mit dahinter plaziertem Pornraum. In Szenenblöcke aufgeteilt wurde zeitgleich an mehreren Orten gespielt.  
Die Intensität, mit der die Kinder und Jugendlichen ihre Themen darboten, war beeindruckend. Die räumlich bedingte Distanz des Schauspielhauses führte dazu, dass man sich ihr nicht entziehen konnte. Wer am "falschen" Ort stand, wurde nass, wer nackte Beine hatte, fühlte plötzlich die Hand eines Zombies, wer dem "Es ist verboten!"-Mädchen zuhörte, hatte den Impuls weitere Verbote zu provozieren. Als die heute üblichen Schimpfkanonaden sich um die Ohren gehauen wurden, hörte ich neben mir eine Mutter sagen, wenn ich unsere sowas sagen höre, gibt's n paar hinter die Löffel.
Selbst bei den tänzerischen Zwischenspielen sowie den Raps hatte man den Eindruck, dass hier die Akteure federführend waren. Lediglich Begriffe wie Hyperkultur oder Entgrenzung wirkten theatralisch aufgesetzt, was aber witzigerweise von einem Jugendlichen auch verarbeitet wurde.  
Die Events vor dem Düsseldorfer Schauspiel sind etwas Besonderes, so auch Jeruville. Schade für die, die Jeruville verpasst haben. Aber vielleicht gibt's ja irgendwann mal eine Neuauflage.

 

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